Wenn der Tod einer geliebten Person ins Leben kommt, dann kommen viele Fragen auf. Und es gibt unterschiedlichste Ratgeber, was zu tun und was zu lassen ist. Wer mich kennt weiß, wie ich zu Ratschlägen stehe. In diesen Ansichten möchte ich einige Ideen anbieten, was wichtig sein kann. Es kommt immer auf die Person an, auf die Beziehung, in der Sie zum verstorbenen Menschen standen, wie Ihre gemeinsame Geschichte ist, welche Erfahrungen mit Verlusten Sie schon gemacht haben und wie Sie gelernt haben, mit Trauer umzugehen. Es wird also schnell ersichtlich, es geht um eine sehr individuelle Sache. Und deshalb gibt es nicht ein RICHTIG oder FALSCH sondern immer ein ANDERS und hoffentlich ein SO WAR ES GUT FÜR MICH. Die Trauerbegleiterin Astrid Bechter-Boss zählt 10 wichtige Punkte auf, die ein „so war es gut für mich“ möglich machen können.

1. Welcher Bestatter

Es ist wichtig den passenden Bestatter zu finden. Es muss nicht zwingend der Bestatter vor Ort sein. Nehmen Sie sich die Zeit und sehen Sie sich auf der Homepage um, lassen Sie sich beraten. Auch die finanzielle Seite soll nicht außer Acht gelassen werden. Erkundigen Sie sich auch darüber. Bei der Beratung ist es wichtig, dass Sie sich gesehen und ernst genommen fühlen. Ihre Wünsche sollen im Vordergrund stehen.

Ein aufmerksamer und wertschätzender Bestatter ist nicht nur für diesen Moment wichtig, sondern kann den Trauerweg auf lange Zeit beeinflussen. Sie werden bemerken, ob dieser Mensch zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt, dann gehen Sie diesen Teil des Weges mit ihm. Ansonsten können Sie auch wieder gehen. Diese Entscheidung kann meistens schnell getroffen werden.

Falls es während der Zeit zu schwerwiegenden Unstimmigkeiten kommen sollte, können Sie die Zusammenarbeit jederzeit aufkündigen. Sie müssen dann für die bisher entstandenen Kosten aufkommen. Ein Bestatter, der zu Ihnen passt und für Sie da ist, ist mit Gold nicht aufzuwiegen und ich ziehe meinen Hut vor den Bestattern, die mit den unterschiedlichsten Menschen so arbeiten, dass diese sich aufgehoben, gesehen und wertgeschätzt fühlen.

2. Den verstorbenen Menschen sehen

Für einen Abschied ist es sehr wichtig zu beGREIFEN, dass dieser Mensch nicht mehr lebt. Ein Mensch verändert sich sehr, wenn er Tod ist und es ist bald ersichtlich, warum dann vom Leichnam gesprochen wird. Es ist nicht mehr die geliebte Person, die da liegt, sondern ihre Hülle, ihr leerer Körper. Das Lachen, die Erinnerungen, Gedanken, Gefühle, Bewegung – das Leben ist aus diesem Körper ausgetreten. Und es ist wichtig das zu sehen, um einen Abschied machen zu können.

In diesem Link finden Sie bei Minute 8:20 eine wunderschöne Geschichte, wie erklärt werden kann, was es mit dem toten Körper und der Seele oder dem Wesen auf sich hat. Wenn Sie Angst davor haben, den verstorbenen Menschen zu sehen, weil Sie noch nie einen toten Körper gesehen haben oder weil Sie schon schlimme Erfahrungen damit machen mussten, bitten Sie den Bestatter oder eine andere Fachperson z.B. eine Trauerbegleiterin um Hilfe.

Es soll Ihnen genau beschrieben werden, was Sie sehen werden, wenn Sie in den Raum kommen. Wie ihre geliebte Person hergerichtet wurde, wie sie daliegt, wie sich der Körper anfühlt, wenn Sie ihn berühren. Auch die Information, wie es rund um aussieht und wie die Temperatur im Raum ist, macht es oft leichter.

Was tun, wenn das nicht möglich ist?

Es gibt auch Situationen, in denen der Körper nicht mehr so aussieht, wie er aussah. Trotzdem gibt es immer wieder Möglichkeiten zu diesem Abschied. Entweder wird der Körper abgedeckt, so dass Sie die Konturen noch sehen können oder es kann ein Körperteil z.B. der Arm oder ein Bein das möglichst unversehrt ist noch angesehen werden. Dadurch bekommen Sie den Beweis, den sehr viele Menschen brauchen: Er/Sie ist wirklich tot. Ich habe es gesehen und ich habe es gespürt.

3. Familie und Freunde

wollen oft Beistand sein. Nach Möglichkeit können Sie bestimmte Aufgaben übernehmen, die Ihnen schwer fallen. Anrufe tätigen, für das Essen sorgen – das sind zwei Möglichkeiten, die mir spontan einfallen. Vielleicht sind es auch ganz andere Dinge, die sie gerne abgeben möchten. Versuchen Sie so offen wie möglich darüber zu sprechen, was sie wollen und was sie auf keinen Fall mögen.

Spüren Sie nach, was für Sie wichtig ist und wie das mit den Bedürfnissen Ihrer Freunde zusammen finden kann. Die Familie – je nach dem wie nahe sie der verstorbenen Person ist – will mit einbezogen werden und mit entscheiden. Manchmal ist das sehr wertvoll für alle und hin und wider kann das zu Problemen führen, weil die Wünsche so auseinander gehen. Dann kann es nutzen entweder den Bestatter um Vermittlung zu bitten oder eine Trauerbegleitung hin zu zu ziehen. Eine Trauerbegleiterin kennt unterschiedlichste Ausdrücke und Wünsche in der Trauer und können wie ein Dolmetscher dann auch übersetzen. Denn jeder Mensch hat eine eigene Trauersprache.

4. Die Zeit bis zur Beisetzung

Diese Zeit ist eine besondere Zeit. Die Beisetzung ist ein erster wirklicher Abschied. Bis dahin wird auch von der Schleusenzeit gesprochen. Wie lange soll das dauern und wann muss die Beisetzung stattfinden? Das ist sehr unterschiedlich. Früher war es wichtig, dass die Beerdigung in drei Tagen stattfand. Das hatte vor allem mit den Möglichkeiten zu tun, wo der Leichnam aufbewahrt wurde. Heute gibt es Kühlmöglichkeiten, die eine längere Verweildauer zulassen. Informieren Sie sich genauer bei ihrem Bestatter oder der Trauerbegleiterin.

Außerdem stehen heute auch viele Fragen an, welche Beisetzungsart mit welchem Ritual verbunden und wie soll es sein? Blumen, Sarg, bemalen des Sarges, Einladungen oder Partezettel, Urne, Musik, was entspricht ihm/ihr? Lassen Sie sich möglichst Zeit für die Entscheidungen. Auch wenn die Schleusenzeit zu einem Abschluss kommen soll und eine zu lange Dauer sehr an den Kräften zehrt, muss es nicht mehr in den drei Tagen hingebogen werden. Manche Menschen sind auch froh, wenn es in drei Tagen erledigt ist und sie sich dann Zeit für die Trauer nehmen können. Das Wichtigste ist also die Entscheidung zu treffen, wie lange ich Zeit möchte und dann zu organisieren.

5. Die Beisetzung

Bestattungsunternehmen bieten oft schon eine Rund-um Betreuung an. Vom Blumenschmuck über die Todesanzeige, die Drucksorten, die Formulare usw. Das ist einerseits bequem und was die Formulare angeht und das amtliche ist das auch ein wichtiger Dienst. Was den Blumenschmuck, die Musik, die Texte bei der Trauerfeier und andere persönliche Entscheidungen angeht, versuchen Sie diese nach Möglichkeit selbst mit dem Blumenhändler, den Musikern und dem Pfarrer, Ritualbegleiter, der Trauerbegleiterin, … zu organisieren. Wenn Ihnen das zu viel ist, bitten Sie jemanden aus dem Familien oder Freundeskreis. Auch diese Menschen sind dankbar, wenn sie etwas tun können. Um so persönlicher wird der Abschied und ein persönlicher, passender Abschied macht die weitere Trauer leichter.

6. Trauerfacetten

Chris Paul, Trauerbegleiterin in Deutschland, schreibt in ihrem Buch „Ich lebe mit meiner Trauer“ (das ich für Zugehörige….) und „Wir leben mit deiner Trauer“ (…und dieses für das Umfeld sehr empfehlen kann) von Trauerfacetten. Sie hat ein Bild gefunden für etwas wonach lange gesucht wurde. Trauer spielt sich nicht in Phasen ab und hat keine Reihenfolge. Das wird auch bei den Aufgaben nach Worden immer wieder betont. Doch das Bild der Facetten machen es so deutlich: Sie können wie in einem Kaleidoskop durcheinander, nacheinander, immer wieder und ohne Struktur aufkommen.

Es gibt 6 dieser Facetten und für jede Facette gibt es Stolpersteine und Trittsteine. Die rote Facette ist das Überleben, die schwarze die Wirklichkeit, die lila Facette steht für die Gefühle, grün ist das Anpassen, gelb die Verbundenheit und blau ist das Einordnen. All das sind wichtige Ecken der Trauer, die immer wieder, durcheinander und manchmal mehrerer miteinander kommen können. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihre Trauer noch normal ist, wenn Sie Fragen haben, dann wenden Sie sich an mich. Wir können gemeinsam herausfinden, was gerade so schwer ist und für welche der Facetten Sie noch Unterstützung brauchen.

7. sich Zeit nehmen

Das liest man immer wieder. Und es ist für viele Menschen sehr wichtig. Die Zeit für sich und die Trauer zu haben. Die Trauer leben zu können. Und manchmal ist es auch wichtig, sich abzulenken. Sich Zeit für etwas nehmen, das wohl tut. Kraft zu tanken  und davon zu zehren. Es kommt auf die Balance an. Es ist nicht gut, sich ausschließlich in der Trauer zu suhlen und es ist auch nicht gut, sich ausschließlich abzulenken. Wie überall kommt es auf das gesunde Maß an. Wo Ihr gesundes Maß liegt, das müssen Sie herausfinden. Natürlich gibt es auch da Unterstützung. Ein paar Ideen möchte ich Ihnen auch hier mitgeben:

Zeit für die Trauer

Ein Tagebuch schreiben, Briefe an die verstorbene Person schreiben, spazieren gehen und die Gedanken zulassen, Gespräche und Methoden bei der Trauerbegleiterin, Fotos anschauen, in Erinnerungen schwelgen, Gefühle ausdrücken,…

Zeit für die Ablenkung

Mit Freunden etwas unternehmen, einen guten Film anschauen, sich mit einem Hobby beschäftigen, Sauna, ein feines Buch, Arbeit, tanzen gehen, singen, …

8. das Umfeld

Mit der Zeit wird es für das Umfeld immer schwerer. Trauer dauert lange und es kann passieren, dass sich Ihr Umfeld von Ihnen abwendet. Das passiert manchmal aus Unsicherheit, aus Angst vor Ihrem Schmerz, aus Sorge Sie zu verletzen, … Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es helfen kann, wenn Sie offen über Ihre Bedürfnisse kommunizieren. Manchmal ist es leichter darüber zu schreiben, in einem Brief, einem Mail oder einem Post in Ihrem Social-Media-Kanal.

Es kann auch mit einem Treffen verbunden werden, wie es in dieser Geschichte über Gottfried beschrieben ist. Er hat die Menschen zu einem Umtrunk eingeladen und erzählt mit Hilfe seiner Trauerbegleiterin, was für Ihn wichtig ist.  Diesen Mut, sich auf Ihre Art mit Ihren eigenen Bedürfnissen zu zeigen, den wünsche ich Ihnen.

9. Die Arbeit

Bei der Arbeit spielen viele Faktoren mit. Zuerst ist die Frage, wie Sie es sich wünschen. Wollen Sie angesprochen werden oder nicht. Und dann kommt es darauf an, wie das Unternehmen darauf eingehen will. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Menschen in Krisenzeiten – und Trauer ist eine Krisenzeit – überprüfen, ob das Unternehmen für das ich arbeite auch die Firma ist, in der ich weiterhin arbeiten will. Schwierig ist oft die Konzentration halten zu können. Welche Möglichkeiten es in der Trauer gibt, das finden Sie in einem Interview zwischen der Gründerin der Messe Seelenfrieden, Sabine List und Thomas Geldmacher. Oft ist es eine Übereinkunft zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch hier gilt es, über die Bedürfnisse zu sprechen.

Immer mehr Unternehmen setzen sich mit dem Thema „Krise und Trauer von Mitarbeitenden“ auseinandersetzen. In diesen Firmen ist die Herangehensweise meist offener und schon klarer. In anderen Unternehmen ist es eine „Verhandlungssache“. Ob Sie längere Zeit zu Hause bleiben oder schnell wieder den Einstieg ins Arbeitsleben suchen, hängt von Ihnen ab. Als Trauerbegleiterin gehört es zu meinen Aufgaben zu vermitteln zwischen Unternehmen und trauernden Mitarbeitenden und unterstütze den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben.

10. Die Gefühle und wie lange dauert das?

Viele denken bei Gefühlen der Trauer sprechen wir von der Traurigkeit. Trauer ist kein Gefühl, sondern ein Zustand. Die Gefühle in diesem Zustand sind sehr unterschiedlich. Von Wut, Zorn, Ohnmacht, Leere bis hin zu Angst, Sorge, Einsamkeit können alle Gefühle zur Trauer gehören, die Sie je gespürt haben. Manche ziehen den Boden unter den Füßen weg, andere sind da und wieder andere springen Sie an, wie ein Raubtier. Was kann helfen? Sich den Gefühlen stellen und sie ausdrücken. Weinen, schreien, tanzen, malen, schreiben, lachen, töpfern, spazieren, Sport machen, …

Trauer ist so individuell, dass keine Zeit festgelegt werden kann, in der Trauer beendet ist. Trauer wird mit der Zeit ins Leben integriert und Teil der persönlichen Geschichte. Das ist ein Prozess der unterschiedlich lange dauert. Das Trauerjahr, auf das sich oft bezogen wird, hat den Sinn, dass jeder Tag, jeder Moment in diesem Jahr zum ersten Mal ohne diese Person erlebt wurde. Es ist das Jahr der ersten Male. Nicht mehr und nicht weniger. Ihre Trauerbegleiterin wird Ihnen auch noch mehr über „Normalität“ und „Dauer“ in der Trauer erzählen können. Und Sie können mit ihr herausfinden, wie Sie Ihren eigenen Weg durch die Trauer gehen können.

 

Scheuen Sie sich nicht Unterstützung und Hilfe anzunehmen. Weder ganz zu Beginn, als auch im Laufe der Trauer oder auch dann, wenn Sie meinen, es wäre schon so lange her. Als Trauerbegleiterin habe ich unterschiedlichste Erfahrungen mit verschiedensten Trauerwegen und wir können miteinander herausfinden, was Sie brauchen und ob ich diesen Weg mit Ihnen gehen kann.

Dein Tod kommt in mein Leben … und was jetzt? Soll sich wandeln: Dein Tod kommt in mein Leben … und ich weiß wer mit mir diese ersten Schritte geht.