Kinder waren im home-shooling, Lehrpersonen im home-office und Eltern übernahmen nach ihren Möglichkeiten die Rolle der Lehrpersonen. Die Freude über den Termin und das Ende dieser Zeit ist bei den meisten unbändig. Wie wird jetzt die Krise zur Corona-Chance?

Wir alle haben neue Erfahrungen gemacht. Manchen fiel das Lernen zu Hause leichter, weil weniger Druck da war. Anderen war es kaum oder gar nicht möglich, weil die häusliche Situation eine produktive Lernatmosphäre erschwerte. In manchen Familien wurde die zusätzliche Zeit auch für anderes Lernen genutzt. Kochen, bügeln, rasen mähen, in der Werkstatt arbeiten und vieles mehr. Die Lernerfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler machten, waren so unterschiedlich wie nie zuvor in ihrer Schulzeit.

Auch was die Krise an sich betraf, waren für alle andere Erfahrungen gegeben. Manche Familien hatten große Angst oder waren sogar direkt von der Krankheit betroffen, andere mussten um ihre Arbeit und Existenz bangen, manche hatten mit Gewalt und Streit vermehrt zu tun und für wieder andere war es eine heilsame Erfahrung.

Es ist diese eine globale Krise, in der wir alle auf einem Ozean unterwegs sind. Die einen in einer Luxusjacht und andere klammern sich an eine Planke, um in den Wellen nicht unterzugehen.

Schule ist es gewohnt, mit unterschiedlichen Herkünften und Entwicklungen umzugehen. Was in den letzten Monaten passiert ist, ist das, was eine Krise beschreibt:

„Situationen die zuviel und zuschnell auf uns eingehen, dass unsere normalen Strategien nicht mehr wirken.“

Und darum heißt es jetzt noch mehr, die Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie JETZT stehen. Und das verstehe ich nicht nur fachlich, sondern vor allem emotional und sozial.

Was braucht es dass die Krise zur Corona-Chance werden kann?

Es braucht Zeit und in erster Linie soll das Wohlergehen der Lernenden und Lehrenden im Blick sein. Den Menschen, die Ängste haben, unsicher sind, Druck und Stress empfinden, können weder gut lernen noch lehren.

Jede Krise birgt eine Chance. Eine der Chancen für die Schule kann sein, den Boden für positive Lernerfahrungen zu bereiten, damit Lernen nachhaltig wird.

Dieser Boden besteht aus Vertrauen, Anerkennung und dem Austausch darüber, was in dieser eigenartigen Zeit schön und schwer war. Und wie sich Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen in Zukunft Schule wünschen. Manches kann sich wandeln, anderes tut gut, dass es erzählt werden konnte. Zu diesem Boden gehört es auch, dass die Peergroup wieder da ist, Freunde wieder zu treffen und am Leben wieder teilhaben zu können. Es ist der Boden, der nach Freiheit riecht. Und diese Freiheit darf gelebt werden.

Auch wenn gerade jetzt viele Lehrpersonen das Gefühl haben, sie müssten Stoff nachholen, schauen dass es schnell voran geht, weil viel versäumt wurde, mögen sie bitte nicht übersehen, dass es wichtigeres gibt. Lehrstoff kann immer nachgeholt werden. Ängste, Unsicherheit, Druck, Stress und andere schwere Gefühle können sich verfestigen und sind in manchen Fällen nur mehr durch Therapie zu behandeln. Ja, Lehrpersonen sind keine Therapeuten, doch sie können dem vorbeugen.

Denn was ist für das Leben schlussendlich wichtig?

Das Grundgefühl „ich bin wertvoll, es wird alles wieder gut, ich werde gesehen und ernst genommen“ oder noch schnell diese oder jene Rechenart, Grammatik oder Lektion zu vermitteln?

  • Wie kann  der Schulalltag nach der Krise gelingen?
    Jede Krise bringt es mit sich, dass der Mensch gesehen und je nach Situation umsorgt werden möchte.
  • Und was, wenn alle von dieser Krise betroffen sind?
    Dann gilt Erwachsene für Kinder, Vorgesetzte für Mitarbeitende, weniger leidtragende für stärker betroffene Menschen. Und vor allem gilt es, sich Hilfe zu holen, wenn es alleine oder in der Verantwortlichkeit nicht funktioniert oder nicht ertragbar scheint. Mit „aller Gewalt durchstehen“ oder „Stärke beweisen“ sind jetzt die falschen Devisen.

Oft sind es schon kleine Dinge und Strukturen, die Vertrauen stärken und Halt geben können. Und dadurch wird vermittelt, dass die Schülerinnen und Schüler gesehen werden, so wie sie jetzt sind.

Welche Methoden können den Schulstart und die immer noch krisenhafte Zeit erleichtern, damit die Corona-Chance Realität wird?

Einige Methoden stelle ich in einem Youtube-Video vor. Die einzelnen unterstehenden Ideen sind einzeln verlinkt, falls Sie nicht das ganze Video anschauen möchten.

Viele Methoden, die ich in den SCHILF/SCHÜLF und KILF/KÜLF vorstelle, sind geeignet.

  1. Licht und Feuer in der Dunkelheit = in Corona Zeiten das Willkommensritual
  2. Teelichtgruß
  3. Gefühlsmonster und ähnliche
  4. Taschentücher mit Aufschrift
  5. Die Smiley-Wand

Speziell für die Corona-Chance

  1. Kreidekreise
  2. Montags- bzw. Donnerstagsritual
  3. Waage  (darstellen, was war schwer und was war schön in dieser Zeit – und auch jetzt im geteilten Unterricht
  4. Wir gehören zusammen (Beide Gruppen zusammen bringen)
  5. Wir kommen wieder zusammen (wenn wieder alle gemeinsam in die Schule dürfen)
  6. Was könnte passieren, wenn keine Rücksihttps://youtu.be/Eji0weOReEw#t=23:00cht auf die besondere Situation genommen wird?

Wenn Sie konkrete Fragen haben, ein speziell darauf angepasstes SCHILF/SCHÜLF veranstalten möchten (auch mit der Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen), dann kontaktieren Sie mich gerne. Oder auch, wenn Sie für die Akutbegleitung am Beginn oder nach der ersten Zeit Unterstützung brauchen. Ich freue mich über jeden Kontakt, jedes Gespräch und jede Anfrage. Es ist mir ein Anliegen, dass für die Schule die Corona-Krise zur Corona-Chance wir.

Arbeiten wir gemeinsam daran.

 

Astrid Bechter-Boss

Lebenskreise