„Lebendig durch die Trauer“ heißt eine neue Facebookgruppe. Dieser Name verwirrt manche und polarisiert auch. Was ist damit gemeint und wie soll das gehen?

Was bedeutet „lebendig durch die Trauer“?

Die Trauer ist schmerzhaft, die Leere, die Angst, die Ohnmacht, die Einsamkeit, … all das ist scheinbar unüberwindbar. Der Schmerz reißt den Boden unter den Füßen weg und die eigene Welt steht still. Höchstens in Zeitlupe kann Bewegung stattfinden. Rundum geschieht alles im Zeitraffer.

Die Arbeit, die vorher Freude und Sinn gemacht hat, überfordert und scheint sinnlos.

Jeden Morgen findet ein neues sich aufraffen statt. Die Tage sind lang und mühsam und manchmal finden die Nächte keinen Schlaf.

Die Frage nach dem passenden Umgang mit den Kindern und die Energie, die es kostet, ist groß.

Lebendig ist da gar nichts. Da ist nur Trauer und Wut und Hilflosigkeit.

Das ging mir vor 16 Jahren auch so, als unser Sohn plötzlich starb. All diese Gefühle sind mir bekannt und ich erinnere mich noch all zu gut an den Schmerz, der auch körperlich zu schaffen machte, an die fehlende Energie und den fehlenden Sinn.

Und heute weiß ich, dass es auch „lebendig durch die Trauer“ gehen kann.

Durch viele Begleitungen habe ich immer mehr verstanden, um so mehr Menschen in ihren Schmerz hinein gehen, ihn kennenlernen und zulassen, um so leichter wird es. Auch wenn es zuerst schwerer wird.

Wie geht das, in den Schmerz hinein gehen?

Ja, der Gedanke macht Angst. Der Schmerz, die Schuldgefühle, die Angst und all das, was da sonst noch ist, will gesehen werden. Um so besser jemand diesen Schmerz beschreiben kann, um so näher er ihm dadurch kommt, um so besser er ihn kennt, um so weniger Angst hat diese Person davor. Und oft ist die Angst vor dem Schmerz mindestens so schlimm, wie der Schmerz selber.

Durch Beschreiben des Schmerzes, ihm eine Form und Farbe zukommen lassen, ihn im Körper an einer bestimmten Stelle finden, das alles hilft ihn kennen zu lernen. Und wenn wir etwas kennen und uns vertraut machen, schwindet die Angst und steigt die Leichtigkeit.

Wo geht der Weg hin, wenn er durch den Schmerz geht?

In das neue Leben. Auch wenn es noch unvorstellbar ist, so darf das neue Leben auch wieder schön werden. Diese Hoffnung trage ich für alle Menschen, die ich begleite. Und diese Hoffnung steigt, wenn der Schmerz bekannter und vertrauter wird. Das Erleben, dass es auszuhalten ist, dass es auch immer wieder Pausen gibt, die zur Erholung genützt werden dürfen, das hilft. Und das Anerkennen, dass es jetzt schreckliche Realität ist, das diese Person für immer fehlt, das hilft.

Lebendig durch die Trauer, wie soll das gehen?

Ja, es ist kaum vorstellbar, kaum zu glauben. Doch ich habe erfahren, dass es funktioniert.

Erste Ideen und Anregungen können in dieser Gruppe gefunden werden

Um in die Gruppe aufgenommen zu werden, ist es nötig die Fragen zu beantworten. Die trauernden Menschen sollen unter sich bleiben, denn sie sollen sich austauschen und offen miteinander kommunizieren können.

Immer wieder gibt es Videos mit unterschiedlichen Inhalten, Ideen die ausprobiert werden können. All das ist kostenlos und ähnelt einer offenen Trauergruppe, die die Hoffnung trägt, wieder lebendig durch die Trauer zu gehen und zu werden. Hin und wieder mache ich ein Angebot und freue mich mit unterschiedlichen Menschen herauszufinden, ob ich ihnen auf dem Weg „durch die Trauer ins Leben“ helfen kann. Und ich freue mich auch, wenn Menschen meine Hilfe dazu von sich aus suchen.

Lebendig durch die Trauer – ich bin überzeugt, dass das geht.