Beim Autofahren kommen manchmal die besten und die eigenartigsten Gedanken. Kennen Sie das?

Gestern holte ich unseren Sohn von der Schule ab, weil er kränklich war. Er saß hinten und summte die Melodie aus dem Radio nach. Ich sah die Streifen am Himmel und dachte plötzlich: Das Leben von welchen Menschen wird wohl heute durchkreuzt?

Durchkreuzt vor lauter Glück, weil ein verliebtes Herz ein anderes verliebtes Herz berührt.
Weil ein Vater und eine Mutter ihr Kind zum ersten Mal in den Armen halten darf.

Es gibt auch das Durchkreuzen weit ab von Glück, wenn das Glück verloren scheint, weil eine Beziehung in die Brüche geht.
Weil ein geliebter Mensch zum letzten Mal spricht, vor er stirbt.

Durchkreuzt – es ist nicht mehr wie vorher. Es gibt eine neue Zeitrechnung. Ein „Vorher“ und ein „Nachher“

Durchkreuzt – es ist nicht mehr wie vorher. Es gibt ein neues Leben. Das Leben muss oder darf neu geordnet werden.

Durchkreuzt – es ist nicht mehr wie vorher. Es gibt einen Zauber oder ein Schrecken.

Durchkreuzt – es ist nicht mehr wie vorher. Das Leben steht Kopf.

Manchmal spüren wir auch bei den wunderbarsten Durchkreuzungen auch Trauer. Ein Beispiel ist die lang ersehnte Geburt des Kindes. Die Freude soll unbändig sein. Und doch ist da vielleicht eine Traurigkeit, weil das Leben als Paar oder als Familie wie sie vorher war, nie wieder sein wird. Vielleicht ist die Frage nach dem „Schaffe ich das?“ „Wie werde ich dem Kind gerecht?“ „Ist auch noch Platz für mich?“

Diese Gefühle und Fragen werden Frauen und auch den Männern oft verboten und ausgeredet. Und doch sie sind da, sie haben Berechtigung, weil das Leben durchkreuzt wird.

Wenn ein Kind mit Behinderung ins Leben kommt, ob es Sie es vorher wussten oder nicht, machen diese Fragen noch drängender. Und auch hier wird die Traurigkeit oft verboten, weil das Kind doch geliebt ist. Weil es so, wie es ist, richtig ist. Und das ist schön. Doch die Trauer darf auch ihren Platz haben. Dadurch ist das Kind genau so geliebt und erwünscht und in der Einzigartigkeit angenommen. Trotzdem bleibt ein bisschen Trauer. Trauer über die verlorenen Träume, Wünsche, Hoffnungen. Denn jetzt ist es anders. Und es ist auch schön. Hier liegen die Freude und die Trauer sehr nahe beieinander.

Es braucht Zeit, wenn das Leben durchkreuzt wird. Zeit, bis dieses Kreuz wieder verwischt und das Leben wieder Normalität und Alltag bekommt.

Oft scheint es uns in den Glücksmomenten viel zu schnell zu vergehen

und in den Trauermomenten viel zu lange zu dauern.

Manchmal kann es helfen, sich begleiten zu lassen. Dann wenn es besonders schwer oder besonders ambivalent ist. Informationen finden Sie hier

 

Ich wünsche allen, deren Leben gerade durchkreuzt wird, dass sie die Freude und die Trauer leben dürfen und alles für ihren Weg bekommen, was sie brauchen.